Teil eines Werkes 
Erste Abtheilung (1798)
Entstehung
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15 euch die bloße Vernunſt giebt, iſt ſehr mangelhaſft. Ihre Kenntniß, die ſie euch von Gott giebt, iſi ſehr eingeſchraͤnkt. Das, was ſie euch ſagt, beſtehe oft mehr in Muthmaßungen und Hypotheſen, in fehler⸗ haſten truͤglichen Schluͤſſen, als in unläugbaren uͤber⸗ zeugenden Ausſpruͤchen; ſie belehrt euch ſehr unvoll⸗ ſtändig von den Verhaͤltniſſen, in welchen ihr mit Gott ſteht. Dieſe Vernunft, die euch auf die Wege der Wahrheit fuͤhren ſoll, fuͤhrt euch oft, durch ihre ge⸗ kuͤnſtelten Syſteme, auf die Wege des Jerthums, ſie iſt zu ſchwach und zu unvermoͤgend, euch wider die Verſuchungen der Sinnlichkeit zu ſchuͤtzen, und euch zu belehren, wie ihr ſie beſiegen ſollt. Sie beruhiget euch nicht, bey den mancherley Uebeln, die ihr duldet, und uͤber das mancherley Boͤſe, ſo ihr empfindet. Sie, zeigt euch jenſeit des Grabes, nur dunkle, mit Wolken bedeckte Ausſichten, und laͤßt euch Unſterblichkeit des Geiſtes mehr hoffen, als uͤberzeugt glauben, und von der Wiederauflebung eures Koͤrpers ſagt ſie euch gar nichts. Glaubt nicht, daß ich dieſe Vernunft zu hart anklage. Freylich will die immer mehr herrſchende Stimme unſers Zeitalters dieſe Vernunft immer mehr und mehr auf den Thron der Unfehlbarkeit erheben. Nur ſind die Parteyen ſelbſt noch nicht einig, welcher Vernunft dieſe Ehre allein zukommt. Werft aber nicht die thoͤrichte Frage auf: Warum gab Gott die⸗ ſer Vernunſt ein ſo geringes Maaß von Kraäften? Es iſt hier noch nicht Zeit dieſe Frage zu beantworten, geſetzt, daß ihr auch einiges Recht haͤttet, ſo zu fragen. Ihr můͤßtet ſehr mangelhafte Begriſſe von der All⸗

macht,