211
Er hatte ſich den mähriſchen Adel zu Freunden ge⸗ macht, und als auch der mächtige Friedrich von Schön⸗ burg mit Zawiſch's nahem Verwandten, dem Biſchof Dietrich von Olmütz, einem gebornen Witkowetz von Neu⸗ haus, in erbitterte Fehde gerieth, glaubte Nikolaus die Zeit gekommen, ſich ſein vermeintliches Erbe von der verhaßten Stiefmutter, die einen Todfeind ſeines Hauſes geheirathet hatte, zu erobern.
Faſt der ganze Adel Mährens hatte für ihn und Friedrich von Schönburg die Waffen ergriffen und nicht nur Troppau, ſondern ganz Mähren war, wie der Bi⸗ ſchof jetzt meldete, ſo gut wie verloren für den König, ja Nikolaus ſtand bereits im Begriff nach Böhmen vor⸗ zurücken, um— wie er ſich ausdrückte— der Buhler⸗ wirthſchaft im Reiche ſeines Vaters ein Ende zu ma⸗ chen.—
„Den Herzog gelüſtet darnach, den Arm ſeines Kö⸗ nigs recht ordentlich zu fühlen,“ ſagte der Kanzler das Schreiben aus der Hand legend;„Herr Zawiſch wird nur Eurer Vollmacht bedürfen, um die Empörer ſo zu züchtigen, daß ſie Eurer Hoheit ihr Lebenlang keine Sor⸗ gen mehr machen.“
„Er ſoll ſie haben,“ rief Wenzel ſich ermannend, „o, geht zu ihm, beſchwört ihn, daß er ſchleunigſt auf⸗ breche, die Empörer zu züchtigen, mir mein und
1


