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den Weg gegangen waren die Frau gehorchte und leitete ſie an einen ſchmalen Seitenpfad der Straße. „Das iſt der Weg nach dem Raubſchloß,“ ſagte Dore,„hier ſind die friſchen Fußtapfen der vier Männer, wir ſollten ihnen folgen.“
„Mich bringt Ihr nicht mit,“ verſetzte die Wär⸗ terin,„wer weiß, was das für Männer waren und was ſie vorhaben; was wollen wir ſchwachen Wei⸗ ber gegen ſie ausrichten? Am beſten, wir zeigen die Sache an, aber nicht bei unſerem Gericht, ſondern bei dem kühnheider, denn unſer Gerichtshalter iſt ein gar zu ſchlaffer Herr!“
Dore ſann eine Weile nach. Sicher waren die vier Männer die Brüder Freier geweſen und hatten etwas Schlimmes mit dem armen Träger vor, Sie hatte nicht die Macht, ihn ihren Händen zu entreißen, ſie konnte nur ihrer Gewalt mit verfallen, wenn ſie ſie verfolgte. Jetzt war kein Grund mehr vorhanden, den Verrath ihres Geheimniſſes zu fürchten; einmal war es durch Oeſterreich ſchon an Theophilus ver⸗ rathen, und dann verdiente dieſer auch keine Schonung mehr; am allerwenigſten, daß ſie um ſeinetwillen einen Freund in der Gewalt von Mördern ließ. Sie
fand den Rath der Wärterin gut und beſchloß, ihn Aber nicht nach Kühnheide, ſondern
zu befolgen.


