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Die Tochter des Wilddiebes : eine Erzählung nach Thatsachen / von Elfried von Taura
Entstehung
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in harter Mühſal ein dürftiges Leben, und gewiß hat ſchon mancher Menſchenfreund, der ſich hier um⸗ geſehen, bei ſich gedacht: es wäre beſſer, ſtatt der

Hütten ſtänden Waldbäume, und nichts als Wald⸗

bäume da. Aber wer ſo denkt, mag das ja keinen der hier Geborenen hören laſſen, denn dieſe laſſen ſo wenig auf ihre Heimat kommen, wie die Be⸗ wohner des glücklichen Arabiens auf die ihrige. Zu⸗ mal ſeit ſie ſo ſtill und friedlich leben inmitten ihrer ausgebreiteten Wälder, die Einen vom Ertrage ihres Ackers und Viehes, die Andern von der Arbeit im Walde, vom Spitzenklöppeln, Gemüſehandel und an⸗ derem ehrlichen Erwerb.

Dieß ward nämlich nicht immer der Fall da oben. Unſere Großväter wiſſen ſich noch zu erinnern, daß die Walddörfer, beſonders die am weiteſten nach Mitternacht gelegenen Kühnheide und Rübenau, der

Fluch der ganzen Gegend vom Preßnitzwaſſer bis an

die Flöhe, und vom Gebirgskamm bis an die Zſchop⸗ au waren. Denn ganze Banden von Wilddieben und Räubern gingen aus ihnen hervor und ſetzten unſere Vorfahren in Schrecken bis in den Anfang dieſes Jahrhunderts herein.

In üppigſter Blüte ſtand das Raubweſen zwiſchen dem zweiten und dritten ſchleſiſchen Kriege,