206
niſchen Hilfsheeres von 20.000 Mann gegen den deut⸗ ſchen Kaiſer unterhandeln und abſchließen ſollte.
Als die Königin dies Alles erfuhr, nahm ſie ihre Kinder, eilte mit ihnen auf die Burg, warf ſich mit ihnen dem König zu Füßen und beſchwor ihn unter hei⸗ ßen Thränen, die unheilvollen Beſchlüße zurück zu neh⸗ men. Allein wenn der Anblick ihrer hinreißenden Schön⸗ heit auch ſeiner Liebe über den Argwohn, zu dem er auf⸗ geſtachelt worden, den Sieg verſchaffte, wenn er ſie mild und liebevoll wieder an ſein Herz zog— in Bezug auf Zäwis und ſeinen Anhang, ſo wie rückſichtlich der künf⸗ tigen Kriegführung blieb er bei ſeinen Beſchlüßen ſtehen.
Auf ihre Gemächer in der Burg zurückgezogen, ließ ſie Dalemil zu ſich holen und ſandte ihn an Zäwis, ihm Alles mitzutheilen und ihn zu beſchwören, daß er ſeine Perſon ſchleunigſt in Sicherheit bringe. Dabei zog ſie einen Reif von ihrem Finger und gab ihn dem Gelehr⸗ ten mit den Worten:„Bringt ihm dies als ein Zeichen der Unveränderlichkeit meiner Geſinnung für ihn, und bittet ihn für mich, daß er mir auch die ſeinige bewahren wolle. Vielleicht iſt es uns doch noch beſchieden, daß wir vereint das Vaterland retten.“
Zäwis erhielt dieſe Botſchaft mit Entrüſtung und heißem Schmerz. So war er für ſeinen Eifer, dem Va⸗ terlande zu helfen, abermals geächtet. Er konnte lange


