Vorerinnerungen zur erſten Auflage.
Wen auch grundliche Sprachforſcher bewieſen haben:„daß vollkommene Reinigkeit einer lebenden Sprache nur gedacht, nicht aber bewerkſtelligt werden konne;“*) fo bleibt es dennoch Pflicht aller deutſchen Schrift⸗ ſteller und Lehrer, ja wohl gller vaterlandoliebenden Deutſchen, an der Reinigung und Selbſtaͤndigkeit ihrer Sprache Theil zu nehmen. Denn es iſt gleich ausgemacht auf der einen Seite,„daß mit launenloſer Reinigung, ngc vernuͤnftig beſtimmten Geſetzen, wahre Verſchö⸗ nerung einer Sprache, ZSuwachs an Einheit, Kraft und Nachdruck, Beſtimmtheit und Deut⸗ lichkeit, Kuͤrze und Wohllaut verbunden feyn muͤſſe, als unlaͤugbar auf der andern Seite, daß die Men⸗ gerei in keiner Sprache größer geweſen und noch groͤßer iſt, als in der unſrigen.“ Wer über die Geſchichte dieſer auffallenden, ja bei⸗ ſpiellofen Verunreinigung unſerer Sprache nähere Belehrung wunſchet, jindet dieſelbe u. a. in dem„Bede n⸗ von Verbeſſerung der deutſchen Sprache,“ weiches unſer Leibnitz herausgab, und noch mehr in Pe⸗ terſens gekroͤnter Preisſchrift: Ueber die Veranderun⸗ gen und Epochen der teutſchen H auptfprache, ſeit Karl dem Großen, S. 193— 197 des 3ten Bandes von den Schriften der churfurſtlichen teutſchen Geſellſchaft zu Mann⸗ heim. Dort werden nicht nur alte Klagen uͤber den„Ein⸗ bruch des ausrlindißchen Flick⸗ und Lapyweſens“ wiederholt, welchen ſchon ein Bpitz von Boberfeld(16240
*) Vergl. M. Kinderling's gekrönte Preisschrift: Ueber die keinigung der deutschen Sprache und Beförderung derselben etc. Berlin 1795. gr. 8.


