Druckschrift 
Die stille Mühle : eine Geschichte aus Deutsch-Böhmen / von Elfried von Taura
Entstehung
Einzelbild herunterladen

151

auch um den alten Levi, ſo ſchlecht er war denn, ſagte mein Herr,was er war, war er durch mich; ich raubte ihm die heißgeliebte Braut ſeiner Jugend. Es iſt wahr, ſie liebte ihn nicht, ſondern war ihm verlobt nach jüdiſchem Her⸗ kommen, ohne daß ihr Herz befragt worden, aber ich hätte nur dann ein Recht gehabt, dieſes Verhältniß zu ſtören, wenn Rahel hätte können mein Weib werden. Nur meine Leidenſchaft ſpiegelte mir dieſe Möglichkeit vor. Ich gewann Rahel's Herz, machte ſie und mich unglücklich und einen Dritten dazu ja ihr ganzes Haus. Ich habe ſchwer dafür gebüßt ich habe zu ſühnen geſucht den Rachegeiſt des gekränkten Bräutigams konnte ich nie verſöhnen. Die Ehe mit einer Ungeliebten verbitterte ſeinen Charakter und brachte alle ſchlimmen Anlagen ſeiner Natur zur Reife. So bin ich der Schmied meines eige⸗ nen Unglücks geweſen. Und wenn alle Menſchen recht klar ſehen wollten, wenn ſie nicht blind wären gegen ſich ſelbſt, ſo würden ſie finden, daß es in der Regel ſo iſt. Eine Jugendthor⸗ heit, eine übereilung, der Mißgriff eines unbe⸗