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Die Malerin von Dresden : Erzählung / von Elfried von Taura
Entstehung
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Wie aber auch in der ganzen Gegend nach den Flüchtlingen geſucht ward, ſie fanden ſich nirgends, und nach Wochen zogen die Dragoner unverrichteter Sache nach Dresden zurück.

Inzwiſchen verlebte Doris in ihrem anſtändigen Gefängniß zu Freibergsdorf bei der emſigen Vollendung ihres Werkes friedliche Tage. Das Gericht übereilte ſich nicht mit der Führung ihres Proceſſes, ſie hatte nur ſel⸗ ten ein kurzes Verhör zu beſtehen und ſonſt trat gar nichts Störendes in ihren Kreis.

Eines Morgens ſaß ſie eben vor ihrer Staffelei und erfreute ſich ihres ſeiner Vollendung nahen Werkes, als ein vierſpänniger Wagen in den Hof hereinrollte und unter dem einen ihrer Fenſter anhielt. Sie eilte an das⸗ ſelbe und ſah einen ältlichen Herrn von ſtattlichem Aus⸗ ſehen ausſteigen, der dann ein junges Mädchen aus dem Wagen hob. Ein heller Freudenſtrahl leuchtete in ihren Augen ſie hatte ihre kleine Freundin, das Urbild ihrer Muſe, erkannt. Nach wenig Minuten öffnete ſich ihre Thüre, und Emma trat am Arme des ſtattlichen Herrn in das Zimmer.

Die beiden ſchönen Weſen flogen einander in die Arme und weinten helle Thränen. Der Herr, der kein anderer war als der Gutsherr, Graf von Wartensleben ſelbſt, ſtand dabei und betrachtete die Gruppe mit ſtiller