207 mich reute die That nicht; ich wußte, daß der Bleſſirte davon gekommen war, und ein ganzer Menſch iſt doch mehr werth, als ein Ohr. Als ich wieder frei wurde, begegnete ich einmal dem Kanonier, dem frei⸗ üich ſein Ohr nicht wieder gewachſen war, der aber doch wie ein Anderer dabei herumging und ſeinen Dienſt verſah. Es war ihm nicht einmal ſein Mäd⸗ chen untreu geworden.“—„Ich aber meine,“ ſagte Maria,„kein Mädchen haͤtte weder den Kanonier, noch den Herrn Wachtmeiſter weiter anſchauen ſol⸗ len.“—„Meinen Sie das im Ernſt?“ fragte Ge⸗ org erſchrocken. Maria haͤtte gerne Ja geſagt, aber es ging ihr weder vom Herzen noch von der Lippe.— „Reden wir lieber von was Anderm,“ ſprach ſie. „Sie ſind krank geweſen, lieber Herr Georg; wie fuͤhlen Sie ſich jett?“—„O, von Grund aus ge⸗ heilt!“ rief er mit funkelnden Augen.—„Wann beſuchen Sie uns wieder?“—„Morgen, heute, jetzt, wenn Sie wollen.“—„Nein nein; es war recht ungeſchickt von mir, ſo zu ftagen,“ ſagte Maria aufſtehend;„pflegen Sie ſich noch, ruhen Sie noch aus.. Gute Nacht!“ Sie ging. Mit bangem Her⸗ zen ſah ſie die verlaͤngerten Schatten der Bäume am Wege; es mußte ſchon ſpät ſeyn, man hatte ſie gewiß zu Hauſe vermißt!.. Und wenn ſie gefragt wuͤrde, was nun ſagen?... Einem Fremden, dachte Ma⸗ ria, bindet man in der Noth wol etwas auf; aber
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