— 22—
und Einfälle von— niemand weiß, wem; ein Ausfluß von— niemand weiß, was; manchmal die Excentricität einer Dame von Ton— manchmal der kitzelnde Spröß⸗ ling einer Operntänzerin, manchmal die Erfindung einer phantaſtiſchen Putzmacherin. Ein Kleid kann elegant ſein und im höchſten Grade gut kleiden; dennoch wird ſich, eben weil es nicht Mode iſt, eine Dame, welche ihren Ruf einigermaßen im Auge hat, nicht darin zeigen wollen. Ja, ſelbſt ihre Sitten und Gewohnheiten ſtehen mehr oder minder unter dem Scepter dieſes unſichtbaren Des⸗ poten; und Frauen, welche jede andere Art von Tyrannei verſchmähen, unterwerfen ſich dieſer mit der Reſignation einer Märtyrin. Ein unmodiſches Kleid iſt der Tod einer jungen modiſchen Dame, und ein unmodiſcher Liebhaber das Fegfeuer. Wenn es einem Mann begegnet, daß er in der Modewelt ausgelacht wird, iſt es aus mit ihm; wie groß auch ſeine Verdienſte ſein mögen— er iſt ver⸗ loren. Dieſer kleinen Schwächen des ſchönen Geſchlechtes ungeachtet, wird jedoch nur ein mürriſcher, hoffnungs⸗ loſer alter Junggeſelle leugnen, daß ſie entzückende Ingre⸗ dienzen in dem bittern Kelche des Lebens ſind. In der Kindheit, in den Mannesjahren, im Greiſenalter— bei unſern Spielen, Freuden und Erholungen ſind ſie unſere theuerſten Gefährtinnen; in den Sorgen, Bangniſſen und Müheſeligkeiten dieſer Welt ſind ſie unſere beſten Trö⸗ ſterinnen und treueſten Freundinnen; und in den letzten Stunden unſerer ſterblichen Schwäche, auf dem Todes⸗


