— 16—
langen, wie wohl reine Jungfrauen, die ihr Herz verge⸗ ben haben, hegen dürfen, ohne die Lilienweiße ihrer unſchuldigen Neigungen zu beflecken. Allmählich ward Sybrandt Weſtbrook der Mittelpunkt ihrer Gedanken; ſie rief ſich jene früheren Begebniſſe ihres Lebens zurück, welche der Himmel herbeigeführt zu haben ſchien, um ihre Herzen zu einem unzertrennbaren Weſen zu vereinigen, und brachte ſich nach und nach zu der feſten Ueberzeugung, ſie würden und könnten nie getrennt werden.
Ein Meer von zärtlichen Gefühlen, durch dieſen Auf⸗ ſchluß einer heiligen, geheimnißvollen Weihe gehoben und geläutert, ergoß ſich in ihre Seele; ſie wünſchte, er möchte bei dieſer Apotheoſe alles deſſen, was es in der Natur ſchönes, was es in dem weiblichen Herzen zärtli⸗ ches und inniges gebe, gegenwärtig ſein, damit ſie ſich in ſeine umfangenden Arme lehne, ihr Haupt an ſeine Bruſt lege, ihr überſtrömendes, liebebebendes Herz vor ihm ausgieße, und in einem langen, langen Kuſſe ſchmelzenden Entzückens ihre Liebe gegen die ſeinige austauſche.
In dieſem Augenblicke ließ ſich vom Ufer herüber ein wilder greller Schrei oder heulender Ruf hören, der in den ſteilen Schluchten des Gebirgs wiederhallte und Catalina aus ihrer köſtlichen Träumerei aufſchreckte. Nach einer Minute ertönte der Schrei wieder— und nach einer gleichen Pauſe zum dritten Male.


