183
welkt. Ihr liebendes Herz, worin noch lange das Bild ihres theuren Jugendfreundes fortleben wird, kann ſich nicht ewig einer andern Neigung verſchlie⸗ ßen. Sie wird den Geſetzen der Natur gehorchen, ohne daß man ſie der Leichtfertigkeit oder Treuloſig⸗ keit anklagen könnte; ſie wird nicht als hartnäckiges Opfer, den Ihrigen zur Laſt und ſich ſelber feind, den heilſamen Balſam von ſich weiſen, welchen die Zeit hinieden mit vollen„Händen aj alle irdiſchen Wunden n heraögießt.
** *
In dem Augenblicke wo dieſes mit ſchwarzen Schriftzügen und düſteren Aufzeichnungen bedeckte Blatt meinen Händen entſinken will, haftet mein Auge auf einem hübſchen Knaben, der dort vor dem Kamin, auf einem Kiſſen zuſammengekrümmt, vor mir ruht. Der kleine Junge iſt noch ſchlecht gezogen und kaum gezähmt; ſeine ſchwarzen und etwas ſcheuen Augen wandern unſtät und fragend von einem Ge⸗ ſicht zum andern, und ſuchen zu verſtehen, zu er⸗ kennen, ſich zurechtzufinden. Es iſt erſt wenige Wo⸗ chen her, ſeit ſeine Mutter auf dem Sterbebette ihn uns vermacht hat, denn das arme Kind iſt noch einer der Waiſen, welche der große Sieg der Waffen geſchaffen hat— der Knabe iſt der Sohn Allan's!
Er iſt jetzt der präſumtive Erbe von Thorney⸗ Hall, der Stammhalter unſerer Familie.
Mein Bruder irrt nachdenklich um dieſen Knaben herum und betrachtet ihn mit einer Art ſchmerzlicher Neugier. Er forſcht in dieſem kleinen Zigeunerge⸗
—


