14
Mein Vater, Percival Randal's dritter Sohn, hatte ſich dem beſcheidenen Gewerbe eines Uhrmachers gewidmet. Eine meiner fernſten und undeutlichſten Erinnerungen ruft mir noch den Tag ins Gedächt⸗ niß, wo mich Papa zu unſerer Großtante Griſſell mit⸗ nahm, deren Name in unſerer ganzen Familie ſtets nur mit einer tiefen Hochachtung, einer ganz beſon⸗ deren Verehrung genannt wurde. Auch betrat ich nur mit einer Art frommer ehrfurchtsvoller An⸗ dacht das Haus dieſer unbekannten Verwandten, welche für uns die einſtige Größe unſerer nun her⸗ unter gekommenen Familie vergegenwärtigte; ſie war ja die einzige, welche uns von dem alten Stammgute erzählen und ſolchergeſtalt eine Tradition wieder aufleben machen konnte, welche ſich für uns ſchon in die dämmernden Schatten der Vergangenheit verlor. Ich ſah damals eine alte Frau vor mir, welche nur noch am Stocke gehen konnte; und doch war mir, als hätte ich nie zuvor einen ſo hohen Wuchs, eine ſo majeſtätiſche Haltung geſehen. Ihre Rede war deut⸗ lich und wohlgeſetzt, ihre Erinnerungen genau, denn ſie behielt den Gebrauch ihrer geiſtigen Fähigkeiten bis zum letzten Tage. Sie erzählte uns mehrere Anekdoten über ihren Bruder Percival, unſern Groß⸗ vater, deſſen Tod wir gerade damals betrauerten. Bevor wir uns von ihr verabſchiedeten, rief ſie mich noch zu ihrem Lehnſtuhl heran und bat mich, ihr mit lauter Stimme das 12. Kapitel im Prediger Salomonis bis zum achten Verſe vorzuleſen, und während des Leſens legte ſie ihre Hand auf meinen Kopf. Dann zog ſie einen ſeltſam gearbei⸗ teten Ring von ihrer Hand und gab ihn mir mit


