323
Die Modiſtin, ganz in ihre Schoͤpfung vertieft, laͤchelte ſanft bei ihren Fortſchritten.
Bald hob ſie die Capote auf einer ihrer Haͤnde in die Luft, drehte ſie leicht umher, betrachtete ſie von allen Seiten, den Kopf bald rechts, bald links neigend und von Zeit zu Zeit mit der andern Hand den Rand des Schirms an verſchiedenen Stellen biegend oder einige Falten der Gaze berichtigend, wodurch ſie dem Ganzen mehr Harmonie und Vollkommenheit gab.
7.
Das war jedoch noch nicht Alles. Das Schwerſte und Wichtigſte blieb noch zu thun. Es kam jetzt da⸗ rauf an, das Bouguet zu placiren. Wer weiß nicht, daß dies der entſcheidende Augenblick iſt, und daß von der Anlage der Knoten, der Blumen oder der Federn das ganze Schickſal eines Huts abhaͤngt, wenn er bis dahin auch noch ſo gut gelungen iſt?
Das tiefſte Schweigen herrſchte in dem Atelier. Eine lebhafte Beſorgniß malte ſich in den Blicken der jungen Maͤdchen, welche die Capote, die ſich ihrer Voll⸗ endung nahte, bewunderten. 7
Aber die Inſpiration hatte unſre Kuͤnſtkerin nicht verlaſſen. Unter ihrer Hand miſchten ſich die Aehren und Kornblumen mit dem Feldmohn und den Gaze⸗ Puffen und gruppirten ſich auf entzuͤckende Art rechts an der Form, goͤttlich auf den Schirm niederwinkend.


