Teil eines Werkes 
5. Band (1832)
Entstehung
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ſonderbare und unbeſchreibliche Geſtalt von einem Kö⸗ nige! Ein gepxrieſener, ein verſchrieener, ein gefuͤrch⸗

teter, ein verachteter Fuͤrſt, Alles auf einmal, der ſich

nach Sitte damaliger Zeit von dem Joche befreite, das ihm die Großen aufzulegen ſtrebten; der ſich des Volks bediente, ohne ſich ihm zu unterwerfen, und der Reli⸗

gion, ohne ihr ein einziges ſeiner Verbrechen aufzu⸗

opfern; politiſch, obſchon aberglaͤubiſch, oder vielmehr aberglaͤubiſch, weil er politiſch war; von dem man ſagte, daß es ihm an Muth gebreche, ohne zu beden⸗ ken, wie tapfer er vor Luͤttich und zu Montlhéry kaͤmpfte; dem man die Fallſtricke vorwarf, in welche er Karl den Kuͤhnen lockte, ohne ſich weder an die verbrecheriſche Ligue des gemeinen Beſtens, noch an den Giftmiſcher Hardy*) zu erinnern, den ſein Vaſall ihm verraͤtheriſcher Weiſe zugeſchickt hatte; dem man auf das verdaͤchtige Zeugniß Brantome's hin den Tod ſeines Bruders**) unbeſonnen ſchuldgegeben hat, in⸗ dem man vergaß, daß dieſer erſt ſieben Monate nach

der angenommenen Vergiftung ſtarb***), und daß, als

*) Chronik von Jean de Troyes. 2a) Petitol, Noie zu dem 9. Kapitel des III. Buchs der Memoiren von Philippe de Comines. 6ss) Mézeray erzählt, daß der Abt von Saint Jean d'Angely der Dame von Montſoreau eine Pfirſiche über⸗ reicht habe, welche dieſe mit dem Herzoge von Guyenne, deſſen Geliebte ſie war, theilte.