50
„Und ſchön, nicht wahr?“ ſagte Ellen.
„Man behauptet es.“
„Wie?“ fiel Alba ein,„Sie wiſſen das nicht, Herr Bezirksrichter? Sie haben dieſelbe noch nicht ge⸗ ſehen? In dieſem Falle wundert es mich nicht, daß ſie den Muth hat, ſich mit Ihnen zu verloben.“
„Meine gute Mamſell, Sie ſind allzu unbarm⸗ herzig gegen mich,“ erwiederte Kuno lachend, indem er neben Alba Platz nahm.„Sie halten mich dem⸗ nach für ſo abſchreckend, daß Niemand, der mich ein⸗ mal geſehen hat, mich zu lieben im Stande iſt?“
„Ja, beinahe,“ entgegnete Alba, welche nicht umhin konnte, ihre eigenen Worte zu belachen, als ihre Augen auf ſein ſchönes Geſicht fielen.„Aber Ellen bekam auf ſolche Art doch nicht zu wiſſen, ob Ihre Braut ſchön ſey.“
„Nun wohl, ich muß ſie natürlicher Weiſe ſchön finden, und Andere behaupten, daß ſie es ſey.“
Der eigenliebige Kuno hätte darauf ſchwören können, Ellen würde jetzt aus Verdruß erröthen; aber ſtatt deſſen bemerkte ſie mit ihrem ſanften Lächeln:
„Ah, ich war deſſen gewiß, daß ſie ſchön und gut ſeyn würde.“
„Ueber dem Mädchen bekomme ich noch das Gallenfieber,“ dachte Kuno.„Es iſt ihr ja gar nicht beizukommen. Und ich konnte mir einbilden, ich habe irgend einen Eindruck auf ſie gemacht! Alles recht betrachtet, iſt es Joſeph, dem ſie den Vorzug gibt.“
„Darf ich wohl erfahren, wa mich in Mamſell Bendel's Augen ſo verabſcheuungswürdig macht?“ be⸗ gann Kuno wieder, zu Alba gewendet. 8
5.


