18
welches ihre Züge trugen, im Verein mit dem kindlich
Reinen und Milden, welches ſich in dieſem Angeſicht aus⸗ ſprach, und das weder Zeit noch Kummer und Sorge zu tilgen vermocht hatten, betroffen. Das Einfache, Wohl⸗
wollende und doch Würdige in ihrer Begrüßung flößte
dem höhniſchen, an allem wirklich Guten zweifelnden jungen Mann ein unwillkürliches Gefühl von Ehrfurcht ein, welches ſich in dem tiefen, achtungsvollſten Gruße ausdrückte.
Er kannte den Hüttenwerksbeſitzer Lönner von frü⸗ her und begrüßte ihn mit ſeiner gewöhnlichen Artigkeit, einer Artigkeit, welche jedoch etwas Nachläſſiges und Hochmüthiges hatte, denn ſie war immerdar von jenem ſarkaſtiſchen Lächeln begleitet.
Hernach ſchaute er ſich rings um, als ob er erwartet hätte, noch Jemand weiter zu ſehen, aber der Probſt bat
ihn, Platz zu nehmen, und die Herren begannen von
Politik zu ſprechen, während Joſeph ſich bei den Frauen niederließ, und die Probſtin auf einen Augenblick ſich aus dem Zimmer entfernte.
Bald darauf trat ſie wieder ein, begleitet von einem
hochgewachſenen, ſchlanken Mädchen mit einem ausdrucks⸗
vollen Angeſicht und einem elaſtiſchen Gang. Was bei dieſem Mädchen eigentlich ſchön genannt werden konnte und die Aufmerkſamkeit des Betrachtenden erweckte, waren
die wunderbar ſchwärmeriſchen Augen. Sie erſchienen
nicht groß, aber es lag in denſelben Etwas, das von
einem Geiſt redete, welcher in einer andern beſſern Welt
lebte und ſein Weſen hatte.
Die Stirne war nicht ſehr hoch, aber geſchmütkt mit ein paar gebogenen, ſchwarzen Augenbraunen. Die Naſe war gerade, der Mund etwas groß, hatte weiße


