Der Schwur der Trenue.
„Für Den, der Schwüre nöthig hat, Sind Schwüre viel zu ſchwach.“
Im nördlichen Frankreich liegt irgendwo an der Küſte das kleine Schloß Verdeville, welches einer franzöſiſchen Familie Namens Dorbin gehört. Der Eigenthümer davon, der urſprünglich Kaufmann war, lebte mit ſeiner Frau und einzigen Tochter ſeit einigen Jahren von ſeinen Zinſen.
Madame Dorbin, welche einer adeligen Familie angehörte, die während der Emigration all ihr Ver⸗ mögen verloren, hatte ſich herabgelaſſen, dem plebe⸗ jiſchen Monſieur Dorbin ihre Hand zu geben; eine Mesalliance, welche ſie ſpäter fortwährend als das größte Unglück ihres Lebens beweinte.
Die Tochter Zos hatte ſeit ihrer früheſten Kind⸗ heit die Mutter davon ſprechen hören, welche Ernied⸗ rigung es für ein Weib mit edlem Blut in ſeinen Adern ſei, einen Mann zu haben, der ſeinem Stande unter ihr noch ſtände. Oft pflegte Madame Dorbin zu ihrer ſechszehnjährigen Tochter zu ſagen:
„Mein Kind, heirathe nie einen Mann, der nicht einen Titel hat, und wenn er noch ſo reich wäre.“


