Teil eines Werkes 
6. Band (1865) Die Verläumdung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventlow
Entstehung
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ſeiner Geſellſchaft war ſie heiter, mild und liebens⸗ würdig, während ſie ſich gegen alle Andern launiſch, herrſchſüchtig und heftig zeigte.

Der Kommerzienrath ſah mit Vergnügen dieſe Wendung im Geſchmack ſeiner Tochter, während die⸗ ſelbe dagegen der ſtolzen und eitlen Mutter Unruhe und Bekümmerniß erregte. Sie hatte von Agda's früheſter Kindheit an ſich daran gewöhnt, ſie als eine künftige Gräfin zu betrachten, und konnte ſich deßhalb gar nicht mit dem Gedanken befreunden, daß Agda nur die Gattin eines elenden Provinzialarztes werden ſollte. Nein, unſere Commerzienräthin be⸗ ſchloß das Blatt vom Munde zu nehmen und ihrer Tochter zu ſagen, daß ſie ſich auf einem Irrwege be⸗ fände, beſonders da die gnädige Frau ganz wohl wußte, daß ſie auf keine Unterſtützung von Seiten ihres Mannes zu rechnen habe./

An einem hübſchen Dezembertag in der Woche vor Weihnachten ſaßen Mutter und Tochter zuſammen in dem kleinen Salon. Agda ſaß ſtill und gedanken⸗ voll, eifrig mit einer Stickerei beſchäftigt.

Meine kleine Agda, Du ſiehſt ſo traurig aus, begann Frau Ljung.

Daß ich uicht wüßte, antwortete Agda, ohne aufzublicken.

Wahrſcheinlich denkt Du an Graf W. und ſeine Freierei, die wohl nicht lange auf ſich warten. laſſen wird. 3

Nein, ich kümmere mich um den ganzen Gra⸗ fen nicht; meine Gedanken beſchäftigen ſich mit etwas Beſſerem.