Der Oktober⸗Morgen lag mit ſeinem vollen magiſchen Reich⸗ thum über der Erde ausgebreitet— der Boden war nit Thau⸗ perlen beſäet und der Raſen von dem ſaftigſten Grün. An den Rändern der Bäche nährte ſich noch die reichſte Blumenpracht und die niedern Felſenwände zeigten ihre farbige Vegetation, erfriſcht von dem belebenden Thau, in lebhafteren Farben. Die Wälder prangten in der fabelhaften Verwandlung, wo goldene Laubkronen mit purpurnem Schatten neben dem ewigen Grün der Kiefern und Lerchenbäume entſtehen, und die grüne Winde mit ihren tanzenden Florblüten, und das Schlingkraut mit ſeinen fleißigen kleinen Händen ſich um jeden Stamm klammert, und die blaßgrünen Ranken ſo lange in der Luft hüpfen, bis ſie den Nachbarzweig erhaſchen, mit dem ſie nun Freundſchaft unterhalten, und von ihm geduldet, ſich weiter ſchlängeln, bis die Feſtons ihres zarten Geglieders die wahre Waldgemeinſchaft bewirken. Dazwiſchen, wo der Waldweg zurückwich, oder die Durchſicht die Ferne zeigte— lagen die Nebelſchichten der Sonne entgegen, die ſie theils niederdrückte, theils in feine Dunſtſtreifen verflüchtigte, indem ſie ihre leichten Maſſen gegen die dunklen Körper der Felſen in violetten und roſenrothen Färbungen zeigte— während einzelne Stellen ſchon von den warmen Strahlen der Sonne durchbrochen wie glückſelige Inſeln in paradieſiſcher Ueppigkeit zu leuchten ſchienen.
Die Wanderer, die den thauigen Weg, der auf ſelſigem
Boden eine unebene Landſtraße darbot, hinan klommen, waren
ſo ſtill als die Natur, die ihre heiteren Bewohner bereits Thomas Thhrnau. MI. 1


