306
ſeiner Bruſt auftegte, habe ich ihm ſchlecht gedankt, denn mein Ungeſtüm riß mich hin, dem zudringlichen Fürſten in meinem Zorn Alles zu verrathen, und er ſchwur im ſelben Augenblick, ſich um jeden Preis an dem Urheber dieſer Entdeckung rächen zu wollen.“.
„Das lautet Alles ſehr übel,“ ſagte die Kaiſerin, den Kopf ſchüttelnd—„und ich denke, man iſt ſehr leichtſinnig in der Inſtruktion dieſer Angelegenheit geweſen.“
„Beſonders nachdem ich mir die Durchſicht dieſer Papiere erlaubt habe,“ fiel jetzt Kaunitz lebhaft ein.—„Es iſt eine Sammlung von Billets, die während der von Thomas Thyrnau erwähnten Angelegenheit mit der Marquiſe von Pompadour gewechſelt wurden— und außerdem, daß ſie das Muſter humo⸗ riſtiſcher Eleganz ſind, thun ſie beſtimmt dar, daß der Fürſt von S. ſich bei wirklicher Verfolgung des oft erwähnten Kom⸗ plotts in dem Falle befand, ſowol von Thyrnau wie von der liebenswürdigen Marquiſe arg perfiflirt worden zu ſein“
„Hölle und Teufel!“ ſchrie der Fürſt und ſprang wie ein wüthendes Thier in die Höhe—„ich erdroßle den Böſewicht — ich will mich rächen!“
„Fort! fort!“ rief die Kaiſerin—„wer wagt ſich ſo in meiner Gegenwart zu vergehen!“ und mit lautem Gemurmel des Unwillens war er im ſelben Augenblick von den anweſenden Herren umgeben und nach dem Nebenzimmer zugedrängt. Als die Vorhänge ſich hinter ihm ſchloſſen und die Miniſter wieder ſtehend ihre Plätze eingenommen, ſagte die Kaiſerin, aus ihrem mißmuthigen Nachdenken erwachend:„Es ſcheint mir, daß mir bei beſſerem Willen und größerer Einſicht ſehr viel Unange⸗ nehmes hätte erſpart werden können. Ich will jetzt Niemand Vorwürfe machen, da ich vielleicht ſelbſt zu haſtig den vorge⸗ faßten Anſichten Gehör gab und den vorſichtigeren Rath andrer Seits unbeachtet ließ. Der Angeklagte iſt nicht gerade frei zu


