Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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Bewunderung, daß ich ſagen kann, es war meine erſte Liebe. Das Bild ſtellte die Prinzeſſin von D. vor, von der es hieß, mein Oheim habe ſie geliebt und ſogar Hoffnung zu ihrem Be⸗ ſitz gehabt.

Sie muß ſehr ſchön geweſen ſein, erwiederte die Fürſtin und Sie werden mich auf Hedwiga eiferſüchtig machen; darum kommen Sie zu dem Knaben, wir müſſen beide Kinder in ihrer Ruhe belauſchen; ſie verräth ſo viel von der augenblick⸗ lichen Geſinnung und ich muß wiſſen, ob es Ihnen ſo recht iſt ob Ihnen meine Einrichtung gefällt.

Der Knabe lag grade ausgeſtreckt auf dem Rücken. Sein kleines, von Guntram verfertigtes Rapier, das ihn begleitet hatte und das er gewohnt war mit zu Bett zu nehmen, lag auch jetzt, die Spitze zwiſchen den Zehen beider Füße, das Kreuz des Griffes auf der Bruſt, darüber die geſchloſſenen Hände. Die gerade feſte Stellung, das lange weiße Nachtkleid, das ſchöne ernſte Geſicht des Knaben machte auf Alle einen lebhaf⸗ ten Eindruck. Er ſieht wie der Denkſtein auf dem Grabe eines jungen Ritters aus! ſagte Georg Prey.

O nein! entgegnete die Fürſtinund doch fühle ich mich auch an ein ſchönes Denkmal erinnert.

Wie ein junger Ritter, der ſeine erſte Waffenwache hält, ſieht er aus! fügte Lacy hinzu.Ich wollte nicht rathen, ihm das D Degenkreuz zu entwinden!

Ach nein, hob Gertraud ſchüchtern anich gab nur nach, daß er es mit zu Bette nahm, weil mir Bernhard ſagte, wir könnten es ihm leicht nehmen, wenn er ſchliefe. Aber als wir es jetzt verſuchten, da hat ex es noch viel feſter gepackt und er hat noch die Falten auf der Stirn ſo zornig zog ſich das feſt ſchlafende Geſicht.

Claudia, ſagte der Graf, als er ſie zurück führte laſſen Sie morgen Frau Mora rufen und ſuchen Sie das

Thomas Thyrnau. 1. 18