Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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kränklichen Geſichts darüber hin ſchlich. Sie blieb ſ ogleich ſtehen, als ſie den Grafen erkannte, gewiß erwartend, er werde ſie an⸗ reden, ſie etwas zu fragen, oder ihr ein tröſtliches Wort zu ſagen haben.

„Du wirſt mir doch erzählen, wie es hier ſteht, meine gute Gertraud,“ rief der Graf vertraulich— wirſt doch an einem alten Freunde nicht ohne Gruß vorüber wollen?“

„Ach! nein,“ ſagte Gertraud langſam— das liebe Ge⸗ ſicht Euer Gnaden iſt der beſte Troſt für mich arme Frau.“

„Möchteſt Du wahr reden! Aber was nutzen mir und Dir Deine guten Worte, wenn Du Dich immer hinter dem Berge hältſt, mir nicht durch offenes Vertrauen zeigſt, daß Dir mein liebes Geſicht das Geſicht eines Freundes iſt?“ Er bog ſich da⸗ bei zu ihr nieder, in der Hoffnung, ihr ein Lächeln abzuringen; aber er ſah, daß ſie den Kopf tiefer ſenkte und Thränen, welche die ernſte Frau ſelten weinte, über ihre Wangen floſſen.

„Was giebt es?“ rief der Graf jetzt ernſtlich beunruhigt. „Sind neue Veranlaſſungen zu Kummer und Sorge, und will man ſie mir wieder verheimlichen? Bin ich hier noch immer ein Fremdling?“

„Zürnen Sie nicht, Herr Graf!“ erwiederte Gertraud. „Ich weiß wohl, was Sie uns Allen hier ſind. Unſer Schutz⸗ geiſt! unſer rettender Engel!“

„Laß das!“ rief der Graf ungeduldig—„weder das Eine noch das Andere bin ich. Aber an meinem guten Willen darfſt Du eben ſo wenig, als ein Anderer zweifeln. Iſt der Fürſtin etwas geſchehen? Sprich! Ich will es wiſſen!“

„Sein Sie nur nicht ſo heftig, Herr Graf!“ rief Gertraud. „Täglich geſchieht ihr zu Leide— täglich— täglich. Sehen Sie es denn nicht, wie ſie dem Grabe immer mehr entgegen welkt? Und wie kann das anders ſein! Hat ſie nicht ſchon ſeit vier Wochen Hieronymus, den alten ehrlichen Koch, der ohne