401
fichtlich, daß er ſie mit großer Beruhigung verlaſſen konnte.
Da Herr Cornelius ein paar Waibel der Stadt hatte herbeirufen laſſen, und dem Todtenbeſchauer wie dem Vorſtand des Trauerdienſtes die Beerdigung bei⸗ der Leichen mit Anempfehlung der groͤßten Stille uͤber⸗ tragen, hatte er die Beruhigung, daß ſchon bei Einbruch der Nacht von maͤnnlichen und weiblichen Dienern die noͤthigen Einrichtungen beſorgt waren, und beide Lei⸗ chen in ihren Sterbekleidern, in ihren Saͤrgen ausge⸗ ſtreckt, dicht neben einander in dem alten Saal der Pur— murand lagen.
Herr Cornelius ſtand lange in tiefen Gedanken vor dieſen beiden Geſtalten, die der Tod vereinigt hatte nach einer Feindſchaft, die mit dem erſten Tage ihres Zuſam⸗ mentreffens begonnen, bis zum letzten Hauch ihres Da⸗ ſeins unverſoͤhnlich fortgedauert hatte, und uber deren Ende mit einander, vielleicht durch einander, ein un⸗ durchdringliches Dunkel ſchwebte. Aber jetzt mußte Nees ſchweigend die Naͤhe ſeiner Feindin dulden— und in dieſem Saal, wo Nees ſo grobe Suͤnden gegen Andere begangen, auf dieſem Kampfplatz der tiefſten menſchli⸗
chen Erniedrigung, des haͤrteſten Elendes, was er mit
Befriedigung um ſich verbreitete— und in dem Augen⸗
blicke, wo er mit einem Tigerſprunge in den alten La⸗ Jakob v. d. Nees. 1I. 26


