Teil eines Werkes 
1. Theil (1844) Angela
Entstehung
Einzelbild herunterladen

volles Licht auf ihr Geſicht— und darin war keine Spur von Hohn, Triumph oder Verachtung— es war ein ruͤhrender Ausdruck von Trauer darin, ein Kum⸗ mer faſt und ein Nachdenken ſo ernſt und tiefſinnig.

„Heil'ger Gott!“ mußte er gegen ſeinen Willen denken—„und dies Weib konnteſt du mit dem Wahn⸗ ſinn der Liebe zu ruͤhren hoffen— von dieſer erhabenen Seele die Hoffnung der Erwiderung fordern. Sie ſoll fuͤhlen, wie Tauſende um ſie her— an Empfindungen ſich verlieren, die ſie der großen Sphaͤre des Gedankens entreißen!— Ha! welch ein Wahnſinn, das zu wol⸗ len!“— ſtieß Argyle gegen ſeinen Willen laut heraus—

„Was?“ fragte Urica und wendete ſich ernſt zu ihm—

„Ha!“ rief Argyle—„zu wollen, daß ihr fuͤhlen ſollt wie ein liebend Weib.“

Urica ſenkte die Augen und ſchwieg einen Augen⸗ blick—„Argyle,“ ſagte ſie dann ſanft, aber mit einem Ehrfurcht gebietenden Ausdruck—„verwirrt nicht die einfachen Anſchauungen, die mich mein Geiſt, mein Herz lehren. Macht mich nicht wankend durch eure Aeußerungen in dem, was ich fur Liebe halte— das Eine muͤßte ich furchten als eine gemeine Knechtſchaft der edlen menſchlichen Natur— das Andere moͤchte ich gern feſthalten als eine heiligende Kraft der Seele, in