Teil eines Werkes 
3. Theil (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

Welt zu beherrſchen, einige Abweichungen anzurathen wagte. Ohne Zwang biſt Du erwachſen, ohne Zwang geblieben bis jetzt; ſchoͤn und vollſtändig iſt Deine Na⸗ tur entwickelt, ſich ſelbſt Geſetz geworden. Mir ſchien es ſtets der einzige Weg, die tiefe Leidenſchaftlichkeit Deiner ſtolzen Natur in ſich ſelbſt ſich bezwingen zu laſſen, und viel haſt Du wahr gemacht, was das Ver⸗ trauen des Vaters Dir uͤbertrug; was damit nicht erreicht werden konnte, ſoll mich nicht uͤberraſchen, denn ich ſtellte es ſtets in Zweifel.

O Vater, rief die Herzogin, ſich ſeinen Augen entziehend, es ſteht nicht wohl, die zu ſchelten, die, muͤde von Schmerz und Tauſchung, ungleich in ihrem Innern bewegt von Gleichguͤltigkeit gegen ſich ſelbſt und heißer Liebesſorge fuͤr die Ihrigen, das einfache Recht zu ihrer Richtſchnur wählt.

Auch ſchelte ich nicht, noch weniger zuͤrne ich Dei⸗ nen raſchen Worten, doch huͤte Dich, wie eben jetzt, den verletzten Stolz, der Dich hier ſo ſelbſt erhoben richten laͤßt, nicht zu verwechſeln mit dem ruͤhrenden Beduͤrfniß nach einfachem Recht.

Die ſchoͤne Seele, die nur darnach lechzt, ſie ver⸗ fehle vor allen Dingen nicht, ſich ſelbſt zu pruͤfen, ob ſie rein genug geſtimmt war, um Recht von Unrecht rein zu ſcheiden.