325
ehren. Sie hatten ſicher einen goͤttlichen Ruf empfangen, und erſtaunenswuͤrdig bleibt, was ihnen in einer Welt⸗ herrſchaft gelungen, welche ohne Beiſpiel in der Ge⸗ ſchichte ſteht, und deren Segensfuͤlle in allen Richtungen nachzuweiſen iſt. Doch eben ſie, die Geſchichte, lehrt uns auch die ganze Stiftung als ein Menſchenwerk be⸗ trachten, das der Welt ſeine großen Dienſte that, und, des Inhalts entledigt, den das Beduͤrfniß erheiſchte, nun leer geworden iſt und den Gang alles Irdiſchen, allmäligem Verfall entgegen geht. Noch ſind einzelne Seelen mit ihrer frommen reinen Liebe vermoͤgend, einen Sinn hinein zu legen, dem ihrer erſten Stifter aͤhnlich. Aber dies iſt individuell, es iſt nicht mehr das Werk, der Geiſt der Kirche! Haltbar iſt nicht, was Baſis einer Weltentwickelung war, die, erreicht, nun ein anderes Beduͤrfniß ſucht und findet; und ſo, erlaubt es mir zu denken, iſt die Reformation entſtanden, nicht Menſchen⸗ werk dem Menſchenwerk entgegen, ſondern nothwendige Entwickelung der Menſchheit in ſich, das Beduͤrfniß eines hoͤheren Lebens im Geiſte, unabhängig von dem Ver⸗ hältniß berechtigter Menſchen, der Prieſter, zu unberech⸗ tigten, den Laien: mit einem Wort, ein Leben mit Gott durch den freien Genuß des Evangeliums.
So bin ich gelehrt worden zu denken, und ſo ſehe ich Eure Kirche nicht tadelnd, aber als ein ehrwuͤr⸗


