1
42
ſeiner Befehle harrten. Ich danke Euch fuͤr heute meine Lieben, ſprach er ſanft und freundlich; ich werde nur noch Venville beduͤrfen, der im Vorzimmer warten mag, bis ich ihn rufe. Bei Euch wird der Schlaf nach dem anſtrengenden Reiſetage wohl nicht auf ſich warten laſſen. Gute Nacht, gute Nacht! Der Herr ſegne Euch, ſetzte er hinzu, als die Knaben niederknie⸗ ten, um ſeine Häͤnde zu kuſſen, die er alsdann ſegnend auf ihr weiches Lockenhaupt legte. Er blickte ihnen nach bis die Thure des Vorzimmers ſich geſchloſſen, und viel⸗ leicht war das Gefuͤhl, womit er die ſußen, ſchlaftrunke⸗ nen Kinder ihrer ſichern Ruhe uͤbergab, und welches unverkennbar ſeine Zuge auf einen Augenblick einnahm, ſogar der Wehmuth verwandt. Doch die Welt der Ge⸗ fuͤhle war bei ihm in den Hintergrund gedrängt; er wollte ſie nur kennen, in ſo fern ſie ihm als Menſchen⸗ kenner zu ſeinen Schluſſen und Urtheilen noͤthig waren; ſich ſelbſt gebot er als erſte Lebensregel, uber allen ihren Anforderungen bloß als Beſchauer dazuſtehn. Unläugbar hatte er von dieſem kuͤhlen Standpunkte aus ſich einen ſehr geſicherten Einfluß uͤber Andere erworben. Ob es indeſſen moͤglich ſei, ſich ſelbſt ganz dieſer großen Be⸗
herrſcherin der Menſchheit zu entziehn; ob man nicht in
der Beobachtung und Erkennung der Gefuͤhle Anderer die eigenen immer wieder mit auferziehe; ob jene gottliche


