Teil eines Werkes 
3. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

181

im auffallenden Kontraſt ſtand zu dem regen Leben drinnen in der geſchäftigen Stadt.

Iſolde kniete vor der Kapelle nieder und betete. Ein Echo von Pirkheimer's Worten miſchte ſich in dies Gebet. Nicht zum ſtillen Dulden, zum öffent⸗ lichen Handeln hieit ſie Pirkheimer beſtimmt dies Wort war wie ein erhellender Blitz in ihre Seele gefallen. Frei von jedem Vorurtheil, jedem Bande, auch von dem der Liebe, hatte ſie durch's Leben gehen wollen, der Kunſt und allem Großen und Schönen dienen, ſelbſt es fördern helfen und keine Schranke dulden für den Genius ihre Jugend war vorüber und ſie fragte ſich, was ſie gethan und ob ſie glücklich ſei, ob ſie jemals erreichen werde, wonach ſie geſtrebt: eine große, ſchöne That? Brünſtiger faltete ſie die Hände auf das klopfende Herz und hob die begeiſterungs⸗ voll glänzenden Augen zur Decke des Gewölbes empor.

Aber da hörte ſie Jemand hinter ſich eintreten bald darauf erhob ſie ſich, denn ſie liebte es nicht, bei ihrem Gebet beobachtet zu werden.

Mit niedergeſchlagenen Augen war ſie aufgeſtan⸗ den und wandte ſich dem Ausgang zu.

Da grüßte ſie Ulrich mit dem bewegt geflüſterten Namen:Iſolde! S

Sie ſtand ſtill vor ihm und reichte ihm die Hand.