164
Zorn zu entflammen, der bald keine Grenzen mehr kannte— oder vielmehr auf ein beſtimmtes Ziel los⸗ arbeitete.
Georg arbeitete auch an dieſem Morgen wie ge⸗ wöhnlich in Meiſter Dürer's Werkſtatt, der auch nie⸗ dergeſchlagen vor ſeiner Staffelei ſaß, von dem Ge⸗ danken gefoltert, daß ein Meiſterwerk der Schöpfung, wie Gerhaus Körper, eben von rohen Menſchenhänden vernichtet werden ſollte, und daß in einer ſo ſchönen Hülle eine verlorene Seele gewohnt, indeß Frau Dü⸗ rerin es ſich nicht nehmen ließ, in ihrem beſten Staat mit andern Frauen ihrer Art hinaus auf den Richt⸗ platz zu eilen, um den Triumph zu haben ein Geſchöpf ſterben zu ſehen, dem ſie ſtets ein ſolches Ende nicht nur prophezeit, ſondern auch vom Herzen gegönnt hatte. Auch noch jetzt hatte Dürer um Gerhaus willen einen ſchweren Strauß mit ſeiner Rechenmeiſterin zu beſtehen gehabt: ſie wollte, er ſolle das Bild, das er von Gerhaus gemalt, noch fleißig kopiren oder in Holzſchnitt vervielfältigen und auf dem Richtplatz feilbieten laſſen, um doch, ſo wie ſie ſagte,„von dieſer ſchimpflichen Bekanntſchaft noch einen erklecklichen Nutzen zu ziehen.“ Er aber weigerte ſich deſſen ſtand⸗ haft und erklärte, daß er ſeine Kunſt nicht zur Gemein⸗ ſchaft mit dem Henker herabwürdige, auch nimmer


