Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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— aus der gothiſchen Baukunſt— redete, war theils doch nur Denen verſtändlich, Denen ſie gelehrt, theils ward ſie überflügelt von der Sprache der eiſernen Let⸗ tern, die mehr und mehr an Ausbreitung gewann— in Ulrich aber gährte und drängte es herauszutreten aus dem eng gezogenen Kreis der alten Geſondertheit wie der alten Anſchauungen, es drängte ihn beide zu erweitern und alles Volk zu berufen zum heiligſten Tempeldienſt. Ein herrliches Ziel ſchwebte ihm vor, ein Ideal für die Menſchheit— aber er bekannte ſich ſeufzend, daß es vielleicht erſt erreichbar ſei in fernen Jahrhunderten, in die nur die Schwingen der Ahnung ihn in leuchtenden Augenblicken zu tragen vermochten.

Jetzt wogte der Zug durch das geöffnete Thor der St. Sebaldskirche— ſchon ſtand der Biſchof am Altar, bekleidet mit den prächtigſten Meßgewändern, welche die reiche Schatzkammer von St. Sebald aufzuweiſen hatte, um ihn z alle die hohen Würdenträ⸗ ger der Kirche, die doch in ihm noch einen Oberen er— blickten, dem zu dienen ihnen nicht nur Pflicht, ſondern auch Ehre war; unzählige Kerzen flammten am Hoch⸗ altar, und der Duft ihres Wachſes, gewonnen aus „des Reiches Bienengarten,“ miſchte ſich mit dem des Weihrauchs, der aus den von Knabenhänden ge ſchwungenen Keſſeln emporſtieg. Die Düfte beider

1801. XIX. Die Schultheißentöchter von Rüraberg. U. 2