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lich, haltet Ihr vor Allem auf die Ehre Eures Standes.“
„So ſollte Jeder thun,“ beſtätigte Ulrich, der noch eines andern Motivs bedarf, um auf ſeine Ehre als Menſch zu halten— wer ſich nicht in Reiche ſchrankenloſer Freiheit ſelbſt Schranken ſetzen kann, für den iſt es gut, wenn er im engen Kreiſe einer Zunft oder im weiteren einer Verbrüderung wie die unſere durch einen ſtrengen Korporationsgeiſt eine Schranke findet— ſchlimm, daß wir noch nicht ſo weit ſind, dergleichen Hilfsmittel zur Bewahrung unſerer höchſten Menſchenwürde entbehren zu können
wer weiß, ob die Menſchheit jemals bis dahin
kommt!“
Georg fand keine Zeit auf dieſe Betrachtung zu antworten, vielleicht kaum ſie anzuhören, da der Rathsherr, der ſchon an ihm vorüber war, wieder umkehrte und, auf ihn zutretend, leicht grüßend ſagte:
„Seid Ihr nicht Lehrburſche beim Meiſter Albrecht Dürer?“
Ja!“ antwortete Georg trotzig mit auffallender Kürze und wollte weiter.
„Was malt denn jetzt Euer Meiſter?“ fragte der Rathsherr und ſchien Miene zu machen an ſeiner Seite zu bleiben.


