19
Nach einer Weile kam der Propſt wieder zurück, er hatte kein Licht mitgenommen, obwohl es auf der Straße ſchon ganz dunkel geworden, wie viel mehr nicht in einem Zimmer! Er hatte eine ärgerliche Miene angenommen, ſagte:„Da fand ich ſie auch nicht!“ und rief nun mit lauter Stimme in die Hausflur hinaus: „Konrade!“
Nachdem er den Ruf ein paarmal wiederholt, kam Konrade die Treppe herab und an die Thür, aber ohne ſich zu beeilen. Sie ſah eben ſo wohlgenährt aus, wie ihr Herr, und wie ſie jetzt die linke Hand vor die Lampe hielt, die ihre Rechte trug, daß der Schein derſelben voll auf ihr gefurchtes Geſicht ſchien, die grauen Haare, die das ſchwarze Häubchen nur halb verdeckte, wie Silber glänzen laſſend, erkannte Ulrich auch in ihr ein Bild vergangener Tage und grüßte ſie mit freundlichem Gruß, den ſie kurz erwiderte. Man ſah es ihr an, ſie war nicht in ihrer beſten Laune, ihr Herr hatte etwas nicht recht gemacht— er ſchien dop⸗ pelte Urſache zu haben ſie zu ſchonen— das las Ulrich auch in Beider Redeton und Geberde.
„Mein Reffe iſt unſer Gaſt,“ ſagte der Propſt; eile, uns einen Imbiß zu beſorgen und mache ihm ſema zurecht. Du haſt ihn wohl nicht er⸗ annt?“
———
2*


