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verrichten könnte, wenn mir's nicht um meine ſchönen weißen Hände wäre!— Aber bei dieſem Gedankengang warf ſie einen Blick auf die Hände, die hier den Pinſel führten, und ſah, daß ſie an Weiße und Zartheit den ihri⸗ gen nichts nachgaben, und wie jetzt von obenherein ein Strahl der mittäglichen Sonne vereinzelt durch die Skulptur des vorſpringenden Dachgeländers dringend auf den Schei⸗ tel des Jünglings ſiel und einen Heiligenſchein um ſeine glänzenden Locken wob, indeß er beſcheiden mit freudiger Zuverſicht die niedere Arbeit verrichtete, da erſchien er ihr plötzlich in einem höhern Lichte als vorher, und was ſie auch von ſeinem Kunſtglauben halten mochte, Eines ſchien ihr gewiß: daß ein hohes Streben und ein edles Gemüth in dieſem zarten Jüngling lebte— und daran knüpfte ſich die verzeihliche Selbſtſucht eines eben ängſtlich gefolterten Herzens, ob nicht gerade in dieſem ihr der Himmel den Voten geſandt, dem ſie vertrauen könne, wo ſie eben ver⸗ geblich über einen ſolchen nachgeſonnen und dieſe Un⸗ möglichkeit nicht die geringſte Urſache ihrer Thränen geweſen.
Nach einer langen Pauſe alſo, in der dieſe Gedan⸗ ken und Empfindungen ſie bewegt hatten, fuhr ſie plötzlich mit der Frage heraus:
„Könnt ihr leſen?“
„Ei freilich kann ich das!“ ſagte Albrecht zugleich ſtolz auf dieſe Kunſt, deren Erlernung damals Manchem,


