95
derzuſehen, ſondern er hatte auch, da er zuletzt immer unterwegs geweſen, zwei Monate lang nichts von ſeiner Mutter, noch ſonſt aus Störmthal oder Friedleben gehört und durfte von Sigismund die erſten mündli⸗ chen Nachrichten über dort erwarten— ja, es gereichte ihm, der ſich jetzt nur in diplomatiſchen Kreiſen diplo⸗ matiſch hatte bewegen müſſen, zum beſonderen Vergnü⸗ gen einmal mit Jemand der dergleichen ganz fern ſtand, harmlos über Anderes und vor Allem über die immer⸗ hin theure Heimath plaudern zu können.
Da er nun jetzt gleich im Wagen von Sigismund erfuhr, daß dieſer noch kein beſonderes Quartier hatte und nur ein paar Tage zu bleiben gedachte, ſo nöthigte ihn Störmthal, in ſeinem Hötel ſein Gaſt zu ſein, und that dies in einer ſo liebenswürdigen und feinen Weiſe, daß Sigismund das freundliche Anerbieten kaum aus⸗ ſchlagen durfte. Dennoch verſuchte er es noch, indem er mit eiligen Worten auf ſeine Violine deutend ſagte:
„Ich bin durch dieſe, da ich mich ihr nun ganz ge⸗ widmet und der Theologie entſagt habe, in Friedleben in Ungnade gefallen— ſeit ein paar Monaten nicht dort geweſen und werde Ihnen nicht viel erzählen können!“
Störmthal ließ dieſen Einwand nicht gelten— er hörte mit Vergnügen von Sigismunds verändertem Lebensplan.„Die Theologie,“ ſagte der junge Staats⸗


