Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Felſ ſtanden, die im Mittelalter ſo leicht ein blutiges Drama heraufbeſchworen. Die Herren der Burg waren Feinde und nur die Kinder hatten ſich in Liebe gefunden. Beide fielen als Opfer der ſich befehdenden Familien und

enburg bewohnte, eines jener zarten Verhältniſſe be⸗

beider Burgen ſanken gleichzeitig in Trümmer. Das Geſchlecht, das auf dem Berge gehauſt, war ausgerottet in ſeinem letzten Sproſſen und nur die Waſſerburg er⸗ ſtand wieder neu. In ihr zeigt man noch das Bild der unglücklichen Editha, die damals im Waſſer um⸗ kam und es ging lange Zeit die Sage, daß ſie in ſtillen Mondnächten undinenhaft aus den Wellen emportauche, irgend ein Unglück zu verkünden. Und droben auf der

Burgruine ſollte gleichzeitig ihr Geliebter, der Ritter

Kunibert, umherirren in feuriger Geſtalt.

Von den Lebenden wußte freilich Niemand ſich einer ſolchen Erſcheinung zu erinnern, dennoch lebte der Glaube daran unter den Bewohnern des nahen Dorfes Friedleben fort, denn in dies einſame Waldthal war noch immer nicht ſo viel von dem Lichte der Aufklärung gedrungen, um die letzten Reſte des Aberglaubens zu verſcheuchen, die unter den Gebirgsbewohnern mit dop⸗ pelter Hartnäckigkeit feſtgehalten werden. Beinahe hatte man es daher als einen muthwilligen Frevel betrachtet, daß die jetzige Schloßherrſchaft ihre Tochter Editha ge⸗ nannt hatte; man betrachtete das liebliche Kind ſchon