Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

E

kelte hätte man ſie doch auch ſo fortgelafſen! Plötzlich ſchreckte ſie zuſammen, denn die Flingel ſchallte noch lauter als vorhin man konnte auf den heftigen Ruck einer energiſchen Hand ſchließen, die ſie in Bewe⸗ gung ſetzte.

Auch Georg, der ebenſo zuſammenfuhr wie ſeine Tante, machte dieſen Schluß und ſagte:Mama iſt böſe!

Felicitas war aufgeſtanden halb zu ſich ſelbſt, halb zu dem Kinde ſagte ſie:Ich gehe nicht!

Es dauerte nicht lange, ſo vernahm man draußen Tritte leichte, weibliche einer Dame in Hausſchuhen männliche Stiefeltritte folgten nach.

Die Thür öffnete ſich und Minette trat ein.

Sie war eine hübſche Frau im Ausgang der Zwanzig, doch zeigte ſich in ihrer ganzen Erſcheinung eine gewiſſe Abſpannung. Ihre Haltung wie ihre Ge⸗ ſichtszüge waren ſchlaff und ſchon in den unruhig vibri⸗ renden grünlich⸗braunen Augen lag ein krankhafter Aus⸗ druck von Reizbarkeit, den zu ſteigern es eben keiner großen Anſtrengung bedurfte. Ihr dunkles Haar bedurfte keiner künſtlichen Vorrichtungen, um eine von der Mode beliebte Wellenform anzunehmen, es war von Natur kraus und widerſpänſtig und ließ ſich nur in dieſe Form am eheſten fügen. Die ebenfalls dichten und dunklen Augenbrauen ſchienen auch in umuhigen Linien zu zucken