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MH.
Im großen Saale des Schloßes zu Zem⸗ bocin ſaß unter einem in der Eil aufgerich⸗ teten Baldachin Koͤnig Boleslaw der Zweite. Nicht ohne Befremden ſchauten die Anwe⸗ ſenden auf ihn, denn nie in fruͤheren Zeiten hatte ein Polenherrſcher zu Gericht geſeſſen wie er. Zwar trug er den Eiſenharniſch, doch Schenkel und Fuͤße bedeckte ein weißes, reich⸗ geſticktes Unterkleid bis auf die geſchuppten Halbſtiefeln von vergoldetem Erzz vom ſtrah⸗ lenden Guͤrtel hing ein leichtes, zierlich gear⸗ beitetes Schwert an ſeiner Huͤfte herab; nicht ein, mit Steinmarder oder Hermelin verbräm⸗ ter wollener Mantel, ſondern ein weiches Pur⸗ purgewebe umfloß ie Schultern, und ſein Haupt deckte nicht der Helm noch die ge⸗ wichtige Krone Boleslaw's des Erſten, eine Art von Diadem, dieſe nur nothduͤrftig nach⸗ ahmend durch goldene Akanthusblätter, oben in einem Knaufe ſich ſchließend, ſchlang ſich durch ſein dunkles gebrauchwidrig langes Haar.
V. Band. 2
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