Teil eines Werkes 
9. Band, Die Frauen von Neidschütz : Novelle : 2. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

337

wichtigen Documenten, welche Johann Georgs des Vierten Vertrauen in ihre Hände gelegt hatte, mitnehmen, was ſie bedurfte, um an einem, Kur⸗ ſachſen feindlichen, Hofe als eine Perſon von Be⸗ deutung aufzutreten und Rache zu nehmen an dem verhaſſten Geſchlecht. So verlor ſie die Zeit, die des Kurfürſten Unſchlüſſigkeit ihr vergönnte, und als ſie bereit war zur Flucht, war dieſe unmög⸗ lich geworden.

Zu oft haben wir den Leſer in den Abgrund dieſes Gemüthes blicken laſſen, um ihm darzuſtel⸗ len, was im Innern der Verbrecherinn vorging, als man ihr ſagte, ihre Behauſung ſei umringt, und Wache halte die Gänge des Schloſſes beſetzt, welche zu demſelben führten; ihr Außeres aber war ziemlich würdevoll und ruhig, als ſie ei⸗ nige Zeit darauf ihre Frauen rufen ließ, ſie voll⸗ ſtändig anzukleiden. Angethan mit der gewohnten

Pracht und mit dem Anſtande einer vornehmen

Matrone ſaß ſie in ihrem Lehnſtuhle, als der Graf zu Beichling eintrat. Sie empfing ihn, als ſei ſie noch Gebieterinn im Schloſſe und Lande, und er ihr unterwürfiger Diener, und fragte kurz und gebieteriſch nach ſeinem Begehr, obgleich die Er ſcheinung der Gerichtsdiener und Soldaten in ſei⸗

nem Gefolge daſſelbe genugſam erklärte⸗ Ich komme, ſagte der Graf trocken und mit

Die Frauen v. Neidſchütz. II.. 22

5