durch meine Nähe. Verlaſſet mich denn auch Ihr, mein Theuerſtes auf der Welt, aus der ich gelaſſen gehe, da Ihr beim Abſchiede mir noch die Hand gedrückt. Mag auch Tadel der armen Katharina zum Grabe folgen und ſogar ſchnöder Hohn; das weiß ich doch, nicht wahr, ich darf es hoffen, daß mein Fürſt und mein Geliebter beſſer erkannt hat, als die Andern, was ich war, und daß ich nicht verdiente, angefeindet zu wer⸗ den, wie es geſchehen.—
Der Jammer des Kurfürſten hatte den höch⸗ ſten Grad erreicht; außer ſich ſchrie er auf: Ich Dich verlaſſen, nimmermehr! Nichts hab' ich, wenn ich Dich verliere; nichts kümmert mich mein Geſchlecht, nichts meine Mutter, nichts die, welche ich haſſe, wie ich Dich liebe. Ich ſollte von Dir ſcheiden in der Stunde des Stet⸗ bens? Weiſt Du nicht noch: Johann Georg und Katharina eins im Leben und im Tode?—
Dieſes Wort, verklingend vor dem dumpfer werdenden Gehör der Sterbenden, gemahnte ſie nur wie ein freundliches Valet, ihr nachgerufen aus der Heimath, an deren Grenze ſie ſtand; ſe beantwortete daſſelbe, die Hand des Kurfürſi drückend, und die ihrige blieb in derſelben,
Die Frauen v. Neidſchütz. II. Bd. 20


