Teil eines Werkes 
9. Band, Die Frauen von Neidschütz : Novelle : 1. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 6

und nur wenig ſpäter haben ſich ihr körperliche Sensationes zugeſellet, die, wie ich vermeine, ſie beſtätigen. Nicht lange werde ich Euch im Wege ſtehen, gönnet mir demnach die kurze Zeit durch das Glück, wie es mir zuſagt; Ihr aber wählet Euch eine Ehegenoſſinn unter den Prinzeſſinnen deutſcher Nation, und laſſet mich bald Neffen ſehen und Nachfolger auf dem kurfürſtlichen Stuhle, ehe es zu ſpät für mich wird.—

Schon früher hatte der Prinz gefühlt, er ſei zu weit gegangen, jetzt rührte die plötzlich wie⸗ derkehrende Sanftmuth des Bruders des jungen Fürſten leicht bewegliches Herz, der Meinung unerachtet, die eben gehörten Worte ſeien aus dem entſprungen, was der Kurfürſt verneinte, aus einem wunderlichen Wahn; und er antwor⸗ tete mit gemeſſenerm Tone: Mein gnädigſter Herr iſt ſeltſam befangen, und kann ich nicht umhin, die Verſtörung Seines ſonſt ſo hellen Geiſtes der Umgebung zuzuſchreiben, in welcher Hochdenſel⸗ ben Seine Getreuen, ich muß es ſagen, nur ungern ſehen. Ich enthalte mich, des Fräuleins Erwähnung zu thun, das man nunmehro Grä⸗ finn von Rochlitz benennet; denn ich weiß aus Erfahrung, wie die Liebespaſſion ihren Begen⸗