Teil eines Werkes 
9. Band, Die Frauen von Neidschütz : Novelle : 1. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 41—

nen ſcharfen Blick, und ſo merkte ich bald, was dem Herrn Kammer- wie auch Jagdpagen glei⸗ chermaßen wiſſend worden, daß die Jüngſte dem gnädigſten Herrn gewaltig in die durchlauchti⸗ gen Augen ſtach, alſo daß er nicht verſchmähete, manchmal von der Frau Marqueſa de Manzera weg nach ihr zu ſchauen, und mir ſogar ver⸗ trauete, er halte die Chiquita wohl einiger Auf⸗ merkſamkeit werth. Ich that denn, wie natür⸗ lich, meine Schuldigkeit; die Mutter ließ es auch nicht fehlen, und ſo wanderten Brieflein, Sträußlein und Gaben recht munter, aber ganz insgeheim, alſo daß die Frau Marqueſa nichts gewahr ward, welche gute Dame glaubte, der durchlauchtigſte Herr ſei ihr ſo treu, als ſie ihm, nämlich mehr, als ſie es dem alten Herrn Mar⸗ ques war, ihrem Gemahl. Sehr raſch ging je⸗ doch die Sache nicht von Statten; denn obſchon die Kleine keinesweges gleichgültig war für die höchſten Merites, wie denn ſelten ein Frauens⸗ bild denſelben reſiſtiren mag, ſo hielt ſie ſich doch ſtandhaft, wie es einem tugendlichen Mägdlein geziemet, alſo daß ich beinahe glauben mag, das bischen Chriſtenblut von ihrem Vater, dem ehr⸗ lichen Meiſter Levas, ſei allein auf ſie gekommen,