Teil eines Werkes 
9. Band, Die Frauen von Neidschütz : Novelle : 1. Band (1832)
Entstehung
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aber wendete kaum einen Blick nach ihnen, griff nachläſſig an den Federhut und gab ſeinem Roſſe die Sporen. Sein Begleiter gedachte ein Glei⸗ ches zu thun, da rief die ältere, ſtark geſchmünkte, bunt und reich gekleidete Frau ihm zu: Herr Vizthum! Auf ein Wort, werther Herr Vetter!

Zögernd und gleichſam unwillig folgte der Gerufene der Aufforderung, und ſein Gruß ent⸗ ſprach nur ſo eben den Forderungen des Anſtan⸗ des, keinesweges aber dem freundlichen Em⸗ pfange, der ihm ward; denn mit anmuthigem Lächeln und ſanfter Stimme, obgleich ein we⸗ nig ſcheu und erröthend, ſprach die Jüngere zu ihm: Haben Sie mich denn ganz vergeſſen, Herr Vizthum? Noch warte ich Ihrer Begrü⸗ ßung nach der Heimkehr von weiter Reiſe.

Eine förmliche aber ſtumme Verbeugung ward ihr zur Antwort, und der ſich darauf mit einer Art Schmollen von ihr abwendende Jüng⸗ ling ſchickte ſich an weiter zu reiten, die andere der Frauen aber fügte mit etwas grellem Tone hinzu: Herr Vizthum iſt ein zu artiger Kava⸗ lier, um einer Dame die gebührende Schuldig⸗ keit zu verſagen, zumal wenn es die Gräfinn von Rochli iſt, welche ihm die Ehre erweit,