220
kannten, als ich eine Zeitlang incognito unter ih⸗ nen wohnte, blenden will ich ihre bloͤden Augen mit den Strahlen des Ranges und Reichthums, und berſten ſoll die Frau Buͤrgermeiſterin vor Wuth bei dem Vergleich zwiſchen ihrer zuſam⸗ mengeſtoppelten Eleganz und meiner gediegenen Pracht. Kurz, ein Gaſtmahl will ich geben, wie noch keines geſehen worden in dieſer Stadt; in hundert Gaͤngen werde das Koͤſtlichſte aller fuͤnf Welttheile aufgetragen, das Beſte aber ſey der Nachtiſch. Nicht ſchnoͤde Attrapen ſoll man da⸗ ſelbſt finden, wie etwa die heutige war, deren Schaalheit mich anwidert, die hoͤchſtens gut ſeyn moͤchte fuͤr Honoratioren des 16ten Jahrhunderts; die meiner Vaterſtadt will ich beſſer bewir⸗ then.“—
„Ich kenne Euren Geſchmack aus Erfahrung,“ entgegnete laͤchelnd der Andere,„und erwarte Eure Verfuͤgung.“—
„Sie wird kurz ſeyn dieſe Verfuͤgung,“ ſprach
ſie in herriſchem Ton:„Die letzte Zeit hat dar⸗ gethan, was ich auch ohne Eure Huͤlfe vermag, worin Ihr ſelbſt die meine beduͤrfet. Eure Sorge ſey das Mahl, der Nachtiſch die meine; es geluͤſtet mich, jene Naͤrrinnen davon koſten zu


