Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

rend von fruͤherer Bekanntſchaft. Die Einen waren hinweggegangen, zweifelhafter noch in ihrem Urtheil, die Andern, in tiefer Bewegung, denn die Klage der Gefangenen war leidenſchafts⸗ los und mild; die Ueberzeugung, welche ſie dar⸗ auf ausſprach, der Lenker der Herzen werde auch den Sinn derjenigen lenken, die zu Ge⸗ richt ſäßen uͤber ſie, trug weniger das Gepraͤge des Triumphs, als des frommen Vertrauens, und wenn ihr großes dunkeles Auge, gleich der Oberflaͤche eines unergruͤndlichen Bergſees, nur den heitern Himmel wiederſpiegelnd, ſeinen Frie⸗ den in der Tiefe ahnen ließ, rufte die ſtille Thraͤne, die unterweilen in ihm glaͤnzte, die Theilnahme der Menſchlichkeit an ſo wuͤrdig getragenem Ungemach auf. Und wenn dies Auge, gleichſam um Troſt zu ſchoͤpfen aus der nimmer verſiegenden Quelle des Troſtes, ſich auf das heilige Buch ſenkte, das aufgeſchlagen vor ihr lag, dann glich ſie der Maria Magda⸗ lena in ſanfter Ergebenheit; und richtete es ſich wieder empor in feurigem Blicke, ſo waͤhnte man die Heilige zu ſehen, die zum Himmel in begeiſtertem Gebet aufſchaut, daß er ſie auf⸗ nehme von der Erde, die ſie verkannt.