50
unſerer Chronik. Die feine, wohlgeſteifte, eng anſchließende Halsbinde zwang nur auf beiden Seiten einen dunkelrothen Fleck auf das Antlitz, deſſen Grundfarbe die Befurchtung der Frau Buͤrgermeiſterin zu beſtaͤtigen ſchien; der Bril⸗ lant, der an derſelben glanzte, machte die Matt⸗ heit ſeiner Augen nur noch bemerklicher, und die Hand, welche aus dem weiten Ermel her⸗ vortauchte, ſo viel Ringe auch an ihr ſchimmer⸗ ten, war nichts deſto weniger etwas welk und knoͤchern. Doch machte das ganze Anſehn des Mannes und ſein Weſen keinen unangenehmen Eindruck; ſeine Geberde und ſeine Rede zeugten von Weltkenntniß und Ausbildung durch weite Reiſen und gute Geſellſchaft, und wiewohl ſeine Lippen ein wenig duͤrr waren und farblos, ſo deutete doch ihr Laͤcheln auf Wohlwollen und Gutmuͤthigkeit, welche ſich uͤberhaupt in ſeinen Zuͤgen ausdruͤckten.
Er erwiederte Frau Beatens Willkommen nicht mit Anſtand allein, auch mit Waͤrme und Hingebung, doch war es, als wuͤrden dieſe durch eine Art Befangenheit gehemmt bis zu einem gewiſſen Grade; denn als er den Platz einnahm, den die Wittwe ihm bot, ſchwieg er


