Teil eines Werkes 
4. Band (1874)
Entstehung
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um ſeine letzten hellen Augenblicke wahrzunehmen, ſeinen Segen und ſein Lebewohl zu empfangen.

„Du biſt ſtets ein gutes, liebes Kind geweſen, meine Innocenzia. Gott ſegne Dich!“ ſagte der Sterbende, indem er ſeine Hand auf ihr dunkles Köpfchen legte. Dann aber frug er ängſtlich mit matter Stimme:„Du haſt mir doch das vergeben, was ich ſagte?“

„Ich that es nicht, o glaube mir!“ ſagte ſie und blickte ihm mit ihren großen Augen ernſthaft in das Geſicht.„Glaube mir, ich that es nicht!“

Kein Zorn war in ihren Augen, aber eine faſt wilde Beſchwörung lag darin, daß er ihr auch wirklich glauben ſollte. Und er glaubte ihr.

„Ich weiß es, mein Liebling,“ rief er.„O Inno⸗ cenzia, mein Kind, küſſe mich und vergieb mir! Du biſt gut wie ein Engel gegen mich geweſen. Ich, ich trage allein alle, alle Schuld, nur ich——

Sie beugte ſich zu ihm hinab. In heiligem Mit⸗ leid ſchmolz das bleiche, ſchöne Geſicht, und ſie küßte ihn,— dann, wie einer Eingebung folgend, kniete ſie neben dem Bette nieder und betete ernſt und feierlich mit der füßen, ſanften Stimme eines Kindes oder eines Engels langſam das„Vater unſer“.„Und vergieb uns unſre Schuld, wie wir vergeben unſern Schuldigern!“

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