Teil eines Werkes 
4. Band (1874)
Entstehung
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ihre„Ehre“ hielt, war ſie nahe daran, zu Grunde zu gehen, hätten nicht die Worte des Bruders, die, wenn auch rauh, doch gut gemeint waren, den Knoten plötzlich gelöſt und kühn das zu Tage gebracht, was ſie ſelbſt bisher nur zagend im tiefſten Herzen geflüſtert hatte. Und doch mußte es zur Sprache kommen. Ernſt hatte ihr nicht ein⸗ mal geſchrieben; er hatte alſo ſchweigend die Entlaſſung hingenommen, die ſie ihm damals haſtig gegeben,— und nun mußte die Thatſache bekannt gemacht werden. Sie antwortete dem Bruder nicht gleich, und als ſie es endlich that, geſchah es in einem ſo troſtloſen, traurigen Tone, daß Plantagenet ſofort gerührt wurde.

„Ach, lieber Junge, ſage mir Alles, was Du weißt! Ich habe keinen Wunſch weiter als den, zu wiſſen, warum er hierher gekommen iſt und nicht zu uns. Was ſagte er? Ich will Dir dann auch Alles ſagen, wenn Du mir erſt erzählſt was Du weißt!——“

„Nelly, hoffentlich biſt Du nicht ſo thöricht, wie Du ausſiehſt,“ ſagte der Bruder ſtreng.„Ich traf ihn unterwegs auf einer Station. Er kam von hier, als ich eben hierher eilte. Er theilte mir mit, daß er beim Verhör zugegen geweſen wäre, daß ich gut thäte, meinen Arzt ſchnell hinzubringen, daß die Aerzte im Allgemeinen aber nicht viel zu bedeuten hätten, da Einer immer auf den Andern loshacke, und daß wir ſo gheitt ſein

Oliphant, Innocenzia. IV. 2