Teil eines Werkes 
4. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

153

Als der Richter geendet, verſuchte man ſogar zu applaudiren, aber das Geräuſch wurde ſofort durch die heute doppelt wachſamen Beamten unterdrückt. Die Geſchworenen zogen ſich zurück. Dann wurde es todtenſtill, und Einer ſah den Andern an. Die Aufregung wuchs ſichtlich. Das nächſte Wort, das man hörte, mußte ent⸗ weder„Schuldig“ oder„Richt ſchuldig“ ſein, Leben oder Tod. Ich verſuche es nicht, die Empfindungen derer zu beſchreiben, die Innocenzia nahe ſtanden. Ich glaube, es war eine Art von Stumpfheit des Gefühls über ſie gekommen; ſie warteten und warteten und wagten nicht aufzuſehen. Die am wenigſten Beunruhigten waren Innocenzia ſelbſt und ihr Rechtsbeiſtand; ſie, weil der blaue Himmel draußen ſie immer wieder beſchäftigte; er,

weil er über den Urtheilsſpruch mit ſich ganz im Klaren

war. Und ſo warteten ſie Alle ſchweigend in qualvoller Ungewißheit; Niemand wagte ſich zu rühren, kaum daß man die Athemzüge der Menge hörte. Alles ſchwieg, Alles wartete auf die Entſcheidung über Leben und Tod.

Was für Bilder kamen und gingen in dieſem Augen⸗ blicke an Einzelnen vorüber! Nelly's fieberhaft glühende Augen ſahen, oder glaubten doch zu ſehen, wie Ernſt's Geſicht im Hintergrunde aus der Menge auftauchte, um ſofort wieder zu verſchwinden. Sir Aleris ſah kein