148
und erzählte, wie ſie, gereizt durch die gerechten Vorwürfe der Kranken, endlich die verhängnißvolle Flaſche ergreift und die Kataſtrophe herbeiführt. Dann verweilte er eingehend bei ihrer wilden Flucht, ihrem Geſtändniß, ihren Gewiſſensbiſſen, die ſie augenſcheinlich foltern, bei dem Entſetzen, das ihre Freunde ergriffen hat. Er hob hervor, welch trauriges Licht die Vernichtung jenes Schuldbeweiſes, der kleinen Flaſche, auf die ganze Sache geworfen, wie die Verheimlichung dieſer Thatſache ebenſo wie dieſe ſelbſt das ganze Publikum geſtern erſchut⸗ tert habe.
Als er geendet, hatten die Herzen faſt Aller im Saale gegen Innocenzia entſchieden,— die Geſchworenen ſahen bleich aus, faſt betäubt von dem Gedanken, eine Lady Longueville, ein ſchönes, junges Weſen, als ſchul⸗ dig verurtheilen zu müſſen, und ſuchten ſich für dieſen ſchrecklichen Fall zu ſtählen. Die meiſten Frauen unter den Anweſenden, und es gab deren viele, weinten laut. Großer Gott, war es denn möglich? War dieſes Kind eine Mörderin? Die Hoffnungen ihrer Freunde ſanken. Nelly lehnte ſich in den Stuhl zurück und bedeckte ihr Geſicht mit zitternden Händen. Sir Alexis blieb auf⸗ recht ſtehen, die Arme feſt über der Bruſt gefaltet und mit einem Geſichte, bleich wie gelbes Wachs oder altes Elfenbein, ſo geiſterhaft, ſo krank ſah es aus. Jede


